Hintergrund der Bahnhofsbeschreibungen
Bahnhofsbeschreibungen geben mobilitätseingeschränkten Reisenden Hinweise im Bezug auf die Barrierefreiheit und insbesondere über blinden-/sehbehindertengerechte Orientierungsmöglichkeiten an Bahnhöfen. In Textform wird detailliert der Fußweg ausgehend vom Eingang durch das Bahnhofsgebäude vorbei an der Fahrkartenverkaufsstelle über den Gleiszugang bis hin zu den Bahnsteigen und Gleisen beschrieben.
Bahnhofsbeschreibungen – wieso überhaupt?
Für eine sichere und entspannte Reise ist es - vor allem für Blinde und Sehbehinderte -wichtig, daß diese fundiert im Vorfeld geplant wird. Hierfür sind Informationen über Verbindungen aus dem Fahrplan und die Gleise bei Abfahrt/Ankunft, aber eben auch über die örtlichen Gegebenheiten nötig – nicht nur bei An- und Abfahrtsbahnhöfen, sondern auch beim Umsteigen. Während Gleis- und Fahrplaninformationen von der Deutschen Bahn AG oder anderen Fahrplanauskunftsystemen in der Regel zur Verfügung gestellt werden, gibt es außerhalb unseres Portals für Sehgeschädigte keine Möglichkeit, sich im Vorfeld ein Bild von den örtlichen Gegebenheiten zu machen.
Und genau diese Erfahrungen haben wir, die Projektinitiatoren Michael P. Schmidt und Marco Krings, am eigenen Leib erleben dürfen. Als selbst sehbehinderte Reisende hatten wir uns schon immer gewünscht, mehr für Sehbehinderte und Blinde relevante Hinweise über Bahnhöfe und Verkehrsmittel erhalten zu können. Da aber genau dies nirgendwo im Internet oder sonst wo möglich war, möchten wir selbst ein möglichst flächendeckendes und engmaschiges Netz mit ausführlichen Bahnhofsbeschreibungen knüpfen.
Zielgruppen
Die Beschreibungen sollen jedem mobilitätseingeschränkten Reisenden nützliche Tips vor und während der Reise vermitteln.
Ausgehend von unserer eigenen Einschränkung beim Sehvermögen sind hauptsächlicher Adressat dieser Beschreibungen blinde und sehbehinderte Menschen.
Dies soll keineswegs die vielen anderen schwerbehinderten Reisenden ausgrenzen. Wir versuchen auch die Belange etwa von Rollstuhlfahrern oder hörbehinderten Reisenden mit in unsere Informationen einfließen zu lassen. Jedoch können auch nicht schwerbehinderte Menschen profitieren, wie etwa ältere/gebrechliche Menschen, Menschen mit Gehhilfen, mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck. Im weiteren Sinne zielen wir also auf die große Gruppe aller mobilitätseingeschränkten Reisenden ab.
Selbständiges Reisen für alle!
Einem sehr oft erhobenen Einwand möchten wir jedoch entschieden entgegentreten: Schwerbehinderte Menschen reisen zwar häufig mit einer Begleitperson, die ihnen bei der Orientierung und dem gesamten Reiseverlauf zur Seite steht, aber halt auch nicht immer!
Ein erheblicher Teil der schwerbehinderten Menschen ist trotz ihres Handicaps in der Lage und Willens, ihre Reise so weit wie möglich selbst zu planen und alleine durchzuführen. Insbesondere bei sehbehinderten und blinden Bekannten haben wir festgestellt, daß die Zahl dieser Menschen gerade nicht gering ist. Und nicht jeder will oder hat immer die Möglichkeit, eine Begleitung mitzunehmen. Alleine Reisen kann sehr interessant sein – auch für Schwerbehinderte!
Da wo es hingegen nötig und sinnvoll ist, sollen Hilfsangebote auch angenommen und genutzt werden; wo aber der Mobilitätseingeschränkte sich selbst helfen kann, sollte man ihm diese Chance nicht verwehren und seine Eigeninitiative fördern.
Bahnhofsbeschreibungen sind ergänzende Hilfestellungen
Bedenken Sie bitte, daß diese Bahnhofsbeschreibungen auf keinen Fall ein professionelles Mobilitätstraining ersetzen können oder gar überflüssig machen. Sie stellen nur eine von vielen Hilfestellungen bei der Orientierung vor Ort dar und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit.
Die meisten Aspekte der Beschreibungen basieren auf objektiven und jederzeit nachprüfbaren Gegebenheiten vor Ort. Einige Informationen jedoch rühren von der persönlichen Einschätzung des Autors her – so z.B. die Bewertung der Qualität von Beleuchtungseinrichtungen. In diesen Bereichen ist wohl technisch oft eine objektive Angabe von Meßwerten zwar möglich, aber für die Praxis kaum sinnvoll. Deshalb bitten wir bei diesen Punkten immer die subjektive Einschätzung zu bedenken. Sollte Ihrer Meinung nach eine Aussage keinesfalls haltbar sein, kommentieren Sie die Beschreibung doch einfach und stellen Sie Ihre Sicht der Dinge dar.
Form der Darstellung
Da Blinde durch viel Übung und große Routine die Fähigkeit haben, sich aufgrund von detaillierten Textbeschreibungen räumliche Gegebenheiten erschließen zu können, werden die wesentlichen Orientierungspunkte in Textform dargestellt. Viele Menschen sind oft trotz erheblicher Sehkraftminderung noch in der Lage, selbst Informationen aus Fotografien ziehen zu können. Es ist somit durchaus nicht nur sinnvoll sondern auch nützlich, ergänzend Bilder anzufertigen und beizufügen. Hochgradig Sehbehinderte oder Blinde gewinnen oft mit Unterstützung einer normalsichtigen Person viele wertvolle Informationen aus Fotos der Örtlichkeiten.
Außerdem sollen diese so gestalteten Bahnhofsbeschreibungen nicht nur blinden und sehbehinderten, sondern auch allen anderen schwerbehinderten und mobilitätseingeschränkten Menschen eine Hilfe beim Reisen und Umsteigen sein, weshalb auf viele verschiedene Darstellungsformen zurückgegriffen wird.
Auch Sie können einen Bahnhof beschreiben!
Alle Texte und Fotos stammen aus privaten Recherchen und Ortsbegehungen; den Namen des Autors/Fotografen finden Sie am Ende einer jeden Beschreibung.
Um möglichst rasch eine umfangreiche Sammlung von Bahnhofsbeschreibungen anbieten zu können, greifen wir gerne auf Ihre Unterstützung zurück. Beschreiben auch Sie einen Bahnhof in Ihrer Nähe und helfen damit auch vielen anderen Nutzern des Mobilitätsportals ÖPNV-Info! Wir veröffentlichen diese dann gerne an dieser Stelle unter Ihrem Namen.
In unserer Anleitung zum Anfertigen einer Bahnhofsbeschreibung und der Begriffserklärung (Glossar) finden Sie alle nötigen Hinweise, die Sie vor dem Beschreiben und Fotografieren kennen sollten. Mit unserer Checkliste, die Sie am Besten ausgedruckt bei der Beschreibung mit sich führen sollten, vergessen Sie auch keinen wichtigen Aspekt zu erläutern. Mehr Infos gibt’s im Navigationspunkt Beschreibung selbst anfertigen.
Gute Reise!
Wir hoffen, daß diese Informationen Ihnen allen, besonders Blinden und Sehbehinderten, bei der Planung einer Fahrtroute sowie der Reise selbst hilfreich sind. Denn gute Vorbereitung ermöglicht einen sicheren und streßfreien Reiseverlauf.
Diese Seite erreichen Sie auch direkt über http://hintergrund.bahnhofsbeschreibungen.de.

